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Geologie
Zur Lithologie
und Petrografie
Der übrige Teil der
Insel ist eine fast ebene Tafel. Hier arbeiten Bagger. Der von ihnen
abgebaute Phosphorit wird mit einer Schmalspurbahn abgefahren -
eine seltsame, unbelebte Mondlandschaft. Die Steinzacken und -pyramiden
haben keine Bodendecke und sind vegetationslos. Das Regenwasser
läuft in den Mulden zusammen und versickert schnell durch den porösen
Riffkalkstein.
Geographen, Geomorphologen und Geologen untersuchten Relief, Boden
und geologischen Bau der Insel und leiteten daraus eine sehr abwechslungsreiche
Entwicklungsgeschichte ab. Das Nauru-Atoll existiert bereits seit
sehr langer Zeit. Das ringförmige Saumriff aus Korallen des Tertiärs
ist bis heute erhalten geblieben. Im Paläogen, dem Alttertiär, lag
der Boden der Lagune sechzig Meter unter dem heutigen Meeresspiegel.
Im Miozän, einem Abschnitt des Jungtertiär, wurde das Atoll stark
angehoben, so dass der Boden der Lagune zehn Meter höher lag als
der heutige Meeresspiegel.
Wahrscheinlich unterlag die Oberfläche der Insel in dieser Zeit
einer starken Erosion, wodurch ein Karstrelief geformt wurde.
Das sind die heutigen Steinzacken und -pyramiden, die den Tagebauen
ein derart seltsames Aussehen geben. Im Anschluss daran wurde die
Insel überflutet, und es bildete sich eine Seichtwasserlagune. In
den Mulden und anderen Hohlräumen zwischen den Zacken des Riffkalksteins
setzten sich mit Phosphor angereicherte Sedimente ab. Die Überflutung
der Insel hielt längere Zeit an. Dabei erfuhren die Lagunensedimente
beträchtliche Veränderungen, die möglicherweise dazu beitrugen,
dass sich die in den Sedimenten enthaltenen Karbonate auflösten
und dass die Sedimente mit Phosphorverbindungen angereichert wurden.
Dann trat eine längere Periode der Hebung der Insel ein, der Boden
der früheren Lagune trat aus dem Wasser hervor, und Pflanzen begannen
die Insel zu besiedeln. Gegenwärtig liegt der gesamte innere Teil
der Insel zwanzig bis dreißig Meter über dem Meeresspiegel, und
es ist nur eine kleine Vertiefung erhalten geblieben, die von einem
See - der Buada-Lagune - eingenommen wird. Dieses von der geologischen
Geschichte der Insel Nauru entworfene Bild enthält zwei strittige
Punkte:
Etwas zweifelhaft ist die Erklärung, die für die Entstehung des
eigenartigen Reliefs gegeben wird. Außer der Vermutung, dass es
eine starke Verkarstung gegeben hat, dass also die Riffkalke gelöst
worden sind, lässt sich noch eine andere Auffassung vertreten. Am
Strand und im steinigen Flachwasser gibt es besonders an der Ostseite
der Insel recht viele als "Zeugen" erhalten gebliebene kleine Steinsäulen.
Sie sind merkwürdig geformt und haben sich infolge der Zerstörung
des Riffmassivs durch die Meereswogen gebildet. Man kann sich vorstellen,
dass der gesamte Seichtwasserteil der Inseloberfläche in Hebungsperioden
einer intensiven Bearbeitung durch die Wellen unterworfen war.
Dieser Raum war nicht geschützt, jedenfalls hat es in dem ringförmigen
Riff sehr breite Durchlässe gegeben. Die weitere Hebung der Insel
hat dann lediglich zur Folge gehabt, dass die vorausgegangene Ausspülung
fortgesetzt wurde, wobei das Regenwasser die als Reste stehengebliebenen
Steinsäulen und Steinzacken geglättet hat.
Der zweite strittige Punkt ist die Entstehung der Phosphorite. In
den Tagebauen und an Stellen, wo der Phosphorit zutage tritt, kann
man erkennen, dass die Schicht der Phosphoritsedimente kompliziert
gebaut ist. Am typischsten ist das Bild zerstückelter Trümmer von
unterschiedlicher Größe: teilweise Krusten und Schollen von einem
Meter Durchmesser, zumeist kleinere kantige Trümmerstücke, seltener
abgeschliffene Phosphoritnieren, die mit Feinerde vermischt sind.
Dieses ganze Material ist nicht sortiert und sehr verschiedenartig.
Demnach ist die ursprüngliche Anhäufung von Phosphorit, der sich
gewöhnlich in Flachwasser nach dem Tod von großen Planktonmassen
bildet, bei starker Erosion und mehrfacher Umlagerung, wiederholt
umgeformt worden.
In der komplizierten und langen Geschichte der Insel hat es zweifellos
auch Perioden gegeben, in denen starke Taifune über sie hinwegzogen.
Dann erfolgten eine sehr intensive Auswaschung und Umlagerung des
Trümmermaterials. Derartige katastrophale Veränderungen sind auch
von heutigen Atollen beschrieben worden. In jedem Fall wird dann
darauf hingewiesen, dass auf der Insel und im Flachwasser an der
Küste riesige Massen von Trümmermaterial umgelagert und umgeformt
worden sind. Dabei wird die Feinerde auf die offene See hinausgetragen,
während die größeren Stücke - Phosphoritknollen und Bruchstücke
der durch Tropfen entstandenen Krusten - auf der Insel bleiben.
Geröll und Bruchstücke werden in den Hohlformen des Reliefs festgehalten,
und in einem verkarsteten Relief füllen sie vor allem die Mulden
und Taschen zwischen den Zacken und Pyramiden aus Riffkalk. Zur
Entstehung des Phosphatgesteins existiert noch eine andere Version,
die aber als wahrscheinlicher angesehen wird: Der Verwitterung ausgesetzt,
bildeten sich in dem löslichen Kalkgestein an der Oberfläche tiefe
Trichter uns spitze Kegel, ideale Nistplätze für Seevögel. Im Laufe
von Hunderttausenden von Jahren häuften sich die Exkremente von
Millionen und Abermillionen von Seevögeln in den Trichtern und bedeckten
schließlich fast die gesamte Insel meterhoch. Der Guano, wie die
Ablagerungen von Vogelexkrementen genannt werden, wandelte sich
mit der Zeit unter dem Einfluss der Witterung zu Kalziumphosphat
von höchster Reinheit um.
Von den Bodenschätzen profitieren kann die unabhängige Republik
Nauru selber erst seit 1970. Seitdem wird Tag für Tag mit mechanischen
Greifern das Phosphat vom Kalkboden abgekratzt und über Transportbänder
auf die vor dem Riff ankernden Schiffe verladen; jährlich circa
zwei Millionen Tonnen. Übrig bleibt eine öde, unbewohnbare Mondlandschaft
aus Korallenresten und Geröll, ein einhundertfünfzig bis dreihundert
Meter breiter bewohnbarer Küstenstreifen. Es wurde zwar versucht,
die Korallenruinen mit importiertem Mutterboden wieder aufzufüllen,
zum Teil wuchert auch schon wieder üppiges Grün aus der Korallenlandschaft,
aber wegen der doch großen Fläche wurde das Vorhaben wieder aufgegeben.
Australien hat Nauru bereits eine der Queensland vorgelagerten Inseln
angeboten; bislang hat die Regierung aber abgelehnt; damit wäre
auch der Verlust der politischen Unabhängigkeit verbunden.
Quelle:
© AMDAC+ Gesellschaft für Staatenforschung / Christoph Kölzsch
Nauru / Landesnatur / Stand: September 2002
www.amdacplus.org
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