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Landesnatur
Die Insel Nauru ist
ein typisches angehobenes Atoll auf der Spitze eines alten Vulkankegels,
nur dreiundfünfzig Kilometer südlich des Äquators. Wie
viele kleinere Inseln im Pazifischen Ozean ist Nauru das Ergebnis jahrtausendelangen
Wirkens von Korallen, deren verfestigte Kalkskelette bis in eine große
Tiefe den Untergrund der Insel bilden. Ein Kilometer von der Küste
entfernt beträgt die Meerestiefe bereits mehr als tausend Meter,
und der Steilhang reicht bis auf den Meeresboden. Mit etwa einundzwanzig
Quadratkilometern hat die Insel eine sehr geringe Fläche. Die Küstenstraße
hat eine Länge von achtzehn Kilometern; Nauru lässt sich in
wenigen Stunden umwandern.
Lage
Pazifischer Ozean,
Mikronesien,
0° 32' südliche Breite / 166° 55' östliche Länge
Fläche
21,3 Quadratkilometer
Ausdehnung Nord-Süd: 7 Kilometer
Ausdehnung West-Ost: 5 Kilometer
Höchste Erhebung: 61 Meter
Küstenlänge: 30 Kilometer
Zeitzone
Mitteleuropäische
Zeit + 10,5 Stunden
Die Korallen
Die Natur Naurus ist
sehr eigenartig und auch außergewöhnlich: Im Küstengürtel
und am oberen Teil des unterseeischen Hangs wird eine Vielzahl von Mollusken
und Krebstieren festgestellt. Man findet Helioporaria-Korallen mit einem
leuchtend kobaltblauen Kalkskelett. Sie sind die einzigen Vertreter
einer besonderen Ordnung der achtstrahligen Korallen, der Octocorallia.
Ebenso wie die Stein- und die Hydrokorallen bauen die Helioporaria-Korallen
den stabilen Sockel des Riffs. Diese drei Korallengruppen ähneln
einander mit ihrem kräftigen Kalkskelett. Die achtstrahligen Korallen
haben gewöhnlich
ein Skelett aus feinen Kalknadeln, aber Helioporaria ist eine Ausnahme.
Ihre Kolonien sind in Größe und Form mannigfaltig. In Strömungen
und am äußeren Riff sind sie massiv, während die Kolonien
in der Lagune, wo das Wasser still und ruhig ist, wundersam verzweigt
sind. Die Helioporaria-Korallen haben ein ziemlich begrenztes Verbreitungsgebiet,
das sich auf die Äquatorialzone mit Wassertemperaturen nicht unter
23 bis 24 Grad Celsius beschränkt. Als Temperaturgrenze der Steinkorallen
gelten 20,5 Grad Celsius. Der bemerkenswerteste Teil im Innern der Insel
sind fantastisch anmutende Kalksteinzacken und -pyramiden, die sich in
den ausgebeuteten Phosphorittagebauen gebildet haben. Sie sind vier bis
zehn Meter hoch, und zwischen ihnen ist ein ganzes Labyrinth von Kesseln
und tiefen Mulden entstanden. Diese Landschaft ist derart seltsam, dass
sich keinerlei Vergleiche finden lassen.
Zur Lithologie
und Petrografie
Der übrige Teil
der Insel ist eine fast ebene Tafel. Hier arbeiten Bagger. Der von ihnen
abgebaute Phosphorit wird mit einer Schmalspurbahn abgefahren - eine seltsame,
unbelebte Mondlandschaft. Die Steinzacken und -pyramiden haben keine Bodendecke
und sind vegetationslos. Das Regenwasser läuft in den Mulden zusammen
und versickert schnell durch den porösen Riffkalkstein.
Geographen, Geomorphologen und Geologen untersuchten Relief, Boden und
geologischen Bau der Insel und leiteten daraus eine sehr abwechslungsreiche
Entwicklungsgeschichte ab. Das Nauru-Atoll existiert bereits seit sehr
langer Zeit. Das ringförmige Saumriff aus Korallen des Tertiärs
ist bis heute erhalten geblieben. Im Paläogen, dem Alttertiär,
lag der Boden der Lagune sechzig Meter unter dem heutigen Meeresspiegel.
Im Miozän, einem Abschnitt des Jungtertiär, wurde das Atoll
stark angehoben, so dass der Boden der Lagune zehn Meter höher lag
als der heutige Meeresspiegel.
Wahrscheinlich unterlag die Oberfläche der Insel in dieser Zeit einer
starken Erosion, wodurch ein Karstrelief geformt wurde.
Das sind die heutigen Steinzacken und -pyramiden, die den Tagebauen ein
derart seltsames Aussehen geben. Im Anschluss daran wurde die Insel überflutet,
und es bildete sich eine Seichtwasserlagune. In den Mulden und anderen
Hohlräumen zwischen den Zacken des Riffkalksteins setzten sich mit
Phosphor angereicherte Sedimente ab. Die Überflutung der Insel hielt
längere Zeit an. Dabei erfuhren die Lagunensedimente beträchtliche
Veränderungen, die möglicherweise dazu beitrugen, dass sich
die in den Sedimenten enthaltenen Karbonate auflösten und dass die
Sedimente mit Phosphorverbindungen angereichert wurden.
Dann trat eine längere Periode der Hebung der Insel ein, der Boden
der früheren Lagune trat aus dem Wasser hervor, und Pflanzen begannen
die Insel zu besiedeln. Gegenwärtig liegt der gesamte innere Teil
der Insel zwanzig bis dreißig Meter über dem Meeresspiegel,
und es ist nur eine kleine Vertiefung erhalten geblieben, die von einem
See - der Buada-Lagune - eingenommen wird. Dieses von der geologischen
Geschichte der Insel Nauru entworfene Bild enthält zwei strittige
Punkte:
Etwas zweifelhaft ist die Erklärung, die für die Entstehung
des eigenartigen Reliefs gegeben wird. Außer der Vermutung, dass
es eine starke Verkarstung gegeben hat, dass also die Riffkalke gelöst
worden sind, lässt sich noch eine andere Auffassung vertreten. Am
Strand und im steinigen Flachwasser gibt es besonders an der Ostseite
der Insel recht viele als "Zeugen" erhalten gebliebene kleine
Steinsäulen. Sie sind merkwürdig geformt und haben sich infolge
der Zerstörung des Riffmassivs durch die Meereswogen gebildet. Man
kann sich vorstellen, dass der gesamte Seichtwasserteil der Inseloberfläche
in Hebungsperioden einer intensiven Bearbeitung durch die Wellen unterworfen
war.
Dieser Raum war nicht geschützt, jedenfalls hat es in dem ringförmigen
Riff sehr breite Durchlässe gegeben. Die weitere Hebung der Insel
hat dann lediglich zur Folge gehabt, dass die vorausgegangene Ausspülung
fortgesetzt wurde, wobei das Regenwasser die als Reste stehengebliebenen
Steinsäulen und Steinzacken geglättet hat.
Der zweite strittige Punkt ist die Entstehung der Phosphorite. In den
Tagebauen und an Stellen, wo der Phosphorit zutage tritt, kann man erkennen,
dass die Schicht der Phosphoritsedimente kompliziert gebaut ist. Am typischsten
ist das Bild zerstückelter Trümmer von unterschiedlicher Größe:
teilweise Krusten und Schollen von einem Meter Durchmesser, zumeist kleinere
kantige Trümmerstücke, seltener abgeschliffene Phosphoritnieren,
die mit Feinerde vermischt sind. Dieses ganze Material ist nicht sortiert
und sehr verschiedenartig. Demnach ist die ursprüngliche Anhäufung
von Phosphorit, der sich gewöhnlich in Flachwasser nach dem Tod von
großen Planktonmassen bildet, bei starker Erosion und mehrfacher
Umlagerung, wiederholt umgeformt worden.
In der komplizierten und langen Geschichte der Insel hat es zweifellos
auch Perioden gegeben, in denen starke Taifune über sie hinwegzogen.
Dann erfolgten eine sehr intensive Auswaschung und Umlagerung des Trümmermaterials.
Derartige katastrophale Veränderungen sind auch von heutigen Atollen
beschrieben worden. In jedem Fall wird dann darauf hingewiesen, dass auf
der Insel und im Flachwasser an der Küste riesige Massen von Trümmermaterial
umgelagert und umgeformt worden sind. Dabei wird die Feinerde auf die
offene See hinausgetragen, während die größeren Stücke
- Phosphoritknollen und Bruchstücke der durch Tropfen entstandenen
Krusten - auf der Insel bleiben.
Geröll und Bruchstücke werden in den Hohlformen des Reliefs
festgehalten, und in einem verkarsteten Relief füllen sie vor allem
die Mulden und Taschen zwischen den Zacken und Pyramiden aus Riffkalk.
Zur Entstehung des Phosphatgesteins existiert noch eine andere Version,
die aber als wahrscheinlicher angesehen wird: Der Verwitterung ausgesetzt,
bildeten sich in dem löslichen Kalkgestein an der Oberfläche
tiefe Trichter uns spitze Kegel, ideale Nistplätze für Seevögel.
Im Laufe von Hunderttausenden von Jahren häuften sich die Exkremente
von Millionen und Abermillionen von Seevögeln in den Trichtern und
bedeckten schließlich fast die gesamte Insel meterhoch. Der Guano,
wie die Ablagerungen von Vogelexkrementen genannt werden, wandelte sich
mit der Zeit unter dem Einfluss der Witterung zu Kalziumphosphat von höchster
Reinheit um.
Von den Bodenschätzen profitieren kann die unabhängige Republik
Nauru selber erst seit 1970. Seitdem wird Tag für Tag mit mechanischen
Greifern das Phosphat vom Kalkboden abgekratzt und über Transportbänder
auf die vor dem Riff ankernden Schiffe verladen; jährlich circa zwei
Millionen Tonnen. Übrig bleibt eine öde, unbewohnbare Mondlandschaft
aus Korallenresten und Geröll, ein einhundertfünfzig bis dreihundert
Meter breiter bewohnbarer Küstenstreifen. Es wurde zwar versucht,
die Korallenruinen mit importiertem Mutterboden wieder aufzufüllen,
zum Teil wuchert auch schon wieder üppiges Grün aus der Korallenlandschaft,
aber wegen der doch großen Fläche wurde das Vorhaben wieder
aufgegeben. Australien hat Nauru bereits eine der Queensland vorgelagerten
Inseln angeboten; bislang hat die Regierung aber abgelehnt; damit wäre
auch der Verlust der politischen Unabhängigkeit verbunden.
Die Vegetation
Die Insel hat einen
breiten Flachwassersaum, der bei Ebbe fast völlig trockengelegt ist.
Dort stößt man auf große Mengen von Seeigeln, verschiedene
Mollusken und Krabben sowie auf wachsende Korallen. Daran schließt
sich landwärts der Gürtel des schneeweißen Strandes aus
Korallensand an. Hier wachsen Kokospalmen, lichtes Gehölz und Pandangbüsche,
Scaevola und Tournefortia. Diese periphere Landschaftszone ist vom Menschen
stark verändert worden. Hier verläuft die ringförmige Küstenstraße,
hier stehen Gebäude und finden sich Grünanlagen.
Wesentlich besser erhalten geblieben ist die natürliche Landschaft
an den Hängen der zweiten Hochterrasse und des alten Riffs. Hier
dehnen sich lichte Wälder aus Kokospalmen, Ficus, Calophyllum und
Hibiscus. Auf dieser zweiten Terrasse hatte man früher auch die größten
Kokospalmenpflanzungen angelegt. Naurus Kirsch-, Feigen-, Mandel- und
Mangobäume sind längst abgeholzt. Für das Innere der Insel
ist der schroffe Unterschied zwischen den unbelebten Räumen der Tagebaue
und den übrigen Flächen bezeichnend, wo die natürliche
Landschaft erhalten geblieben ist. Die höheren Lagen werden von lichten
Gehölzen aus Hartlaubhölzern eingenommen, unter denen Calophyllum,
ein mittelhoher Baum mit gewundenem Stamm und breiten Blättern, vorherrscht.
Die Mulden und anderen Hohlformen tragen eine etwas andere Vegetation,
die niedriger und dichter ist. Hier dominieren Pandang, Scaevola und Tournefortia.
Der Unterschied der Landschaft erklärt sich aus dem jeweiligen Wasserhaushalt
der Böden. Trotz der hohen Niederschlagsmenge (bis zu dreißig
Millionen Kubikmeter im Jahr) sind auf dem Plateau nirgends Spuren eines
Oberflächenabflusses in das Meere zu erkennen. Der Grundwasserspiegel
liegt tief. Das Regenwasser versickert schnell in den lockeren Boden und
in das poröse Phosphatgestein. Daher wird der Boden rasch ausgewaschen
und bleibt das ganze Jahr über trocken. Nauru liegt zwar in einem
relativ feuchten Klimagebiet, aber auch hier treten Trockenzeiten von
einigen Monaten Dauer auf.
Die Fregattvögel
Fregattvögel
stehen auf Nauru unter besonderem Schutz und werden hauptsächlich
zum Fischfan gehalten. Fregattvögel sind gewandte Flieger; wegen
ihres guten Orientierungsvermögens werden sie, ähnlich wie Brieftauben,
noch zum Transport von Inselnachrichten verwendet. Anstatt selbst auf
Futtersuche zu gehen, überlassen Fregattvögel diese Arbeit anderen
- und nehmen ihnen die Beute dann ab. Fregattvögel stürzen sich
an der Küste Naurus vor allem auf Tropikvögel, die mit Kröpfen
voller Fisch zu ihren Jungen zurückkehren. Die Fregattvögel
ergreifen ihre Opfer während des Fluges am Schwanz, lassen sie kopfüber
hängen und schütteln sie, bis sie die Beute auswürgen.
Dann lässt der Fregattvogel los, stürzt sich mit einem Schwung
in die Tiefe und schnappt die Fische, bevor sie wieder ins Wasser fallen.
Quelle:
© AMDAC+ Gesellschaft für Staatenforschung / Christoph Kölzsch
Nauru / Landesnatur / Stand: September 2002
www.amdacplus.org
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