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Deutsch-Nauruischen-Gesellschaft
 
 
 

 

 

Historischer Überblick

Am frühen Morgen des 08. Novembers 1798 rief der Mann im Ausguck des Walfangschiffes Hunter "Land in Sicht! Alle Mann an Deck!" Dieses war - aus der Sicht der Kolonialmächte - der Augenblick der Entdeckung Naurus, einer nur wenig mehr als 21 Quadratkilometer großen Insel im Pazifischen Ozean. Als erster Europäer setzte John Fearn, Kapitän des Walfangschiffes Hunter, seinen Fuß auf Nauru und taufte die Insel "Pleasant Island". Diesen Namen sollte sie bis 1888 behalten.

Die Herkunft der Bevölkerung ist noch bis heute ungeklärt. Sie kann möglicherweise aus der letzten malayo-pazifischen Völkerwanderung - etwa um 1200 nach Christus - erklärt werden. Wahrscheinlich waren es seefahrende oder schiffbrüchige Polynesier, die sich niederließen, denn eine Urbevölkerung gab es nicht. Im neunzehnten Jahrhundert war Nauru ein berüchtigter Stützpunkt ausländischer See- und Strandpiraten. Gleichzeitig waren die Nauruer untereinander in blutige Stammesfehden verwickelt. Den Kolonialmächten der Region war dies eine Widersetzlichkeit ihrer Interessendurchsetzung. Auf Druck deutscher Kaufleute, die bereits in den 1870er Jahren Niederlassungen und Kokosplantagen auf der Insel gründeten, wurde Nauru dann 1888 von den Deutschen aus Neuguinea dem deutschen Protektorat der Marshallinseln eingefügt. Nachdem der Alkoholkonsum untersagt und die Waffen eingesammelt wurden endeten die inneren Kämpfe, die beinahe zur Selbstvernichtung des Volkes geführt hätten; ausgelöst durch die Korrumpierung der Eingeborenen durch alkoholische Getränke und Bewaffnung - aufgestachelt durch das Verbleiben der sogenannten Strandläufer, freigesetzte Häftlinge und abgeheuerte Walfänger, auf Pleasant Island. Nauru wurde Teil des Deutschen Kaiserreichs.

Der zeitgenössische Bericht (1895)

Quelle: Geographisches Handbuch mit besonderer Berücksichtigung der politischen, kommerziellen und statistischen Verhältnisse. Herausgegeben in Bielefeld und Leipzig 1895.

"Die fünf Quadratkilometer große Insel Pleasant (Nauru oder Navodo) ist deutsch; dort wohnen ein deutscher Regierungsbeamter und sieben Händler unter 1 324 Eingeborenen."

Der zeitgenössische Bericht (1898)

Quelle: Deutschlands Kolonien, ihre Gestaltung, Entwicklung und Hilfsquellen. Herausgegeben in Berlin 1898.

"Bei der Abgrenzung der Interessensphären im Jahre 1885 fiel der deutschen der Kwadjelin-Archipel (Mentschikow-Insel) der Marshallinseln zu samt der zwischen ihm und der Salomons-Gruppe gelegenen Insel Nauru, welche die höchste Erhebung (siebzig Meter) dieses ganzen Meeres voll niedriger Korallen-Inseln darstellt. 1888 erkannten die Häuptlinge der Insel Nauru die deutsche Schutzherrschaft an."

Bald jedoch sollte sich das Leben der Inselbewohner ändern: Alles fing damit an, dass ein Kaufmann einen Felsblock aus nauruischem Schichtgestein zu einer Handelsfirma nach Australien schickte. Er fragte ob es möglich sei, aus diesem Gestein Kinderfiguren herzustellen. Auf eine Antwort sollte er jedoch einige Zeit warten.
Erst 1900 sah der Angestellte einer Handelsfirma in Sydney, Albert Ellis, diesen seltsamen Stein und ließ ihn untersuchen. Bis dahin lag der Stein jahrelang in einem Büroraum der Firma und wurde dort als Türstopper benutzt. Das Ergebnis der anschließenden Analyse war erstaunlich, denn dieser Türstopper bestand zu achtzig Prozent aus reinem Phosphat. Schon bald fanden die Australier heraus, dass sich auf Nauru noch mehrere solcher Gesteine befanden, ja, dass dort sogar ein riesiges Phosphatlager existierte.

Das Gestein aus hochwertigen Phosphaten, aus dem fast die gesamte Insel besteht, entstand aus den Exkrementen urzeitlicher Vögel, die vor vielen Millionen Jahren hier nisteten oder das Eiland auch nur als einen dankbaren Stop in der Weite des Ozeans nutzten. Aus deren Fäkalierungen entstand der in aller Welt gefragte Guanodünger.
Kaufleute erkannten ihre Profitmöglichkeiten. 1905 wurde in deutsch-britischer Zusammenarbeit die Pacific Phosphate Company gegründet. Sie beschäftigte sich seit 1906 mit dem Abbau der Phosphatvorkommen. Hierfür wurden Fremdarbeiter von den Gilbertinseln (heute Republik Kiribati) und China angeworben. Die Verdienstmöglichkeit auf deutscher Seite war allerdings nicht von langer Dauer. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 verloren die Deutschen ihren Anteil an diesem Unternehmen. Am 04. August 1914 landeten australische Truppen auf Nauru und besetzten diese. Australier übernahmen die Herrschaft und verwalteten Nauru ab dem 17. Dezember 1920 als Völkerbund-CMandatsgebiet im Auftrag des Vereinigten Königreichs und Neuseelands, bis im Zweiten Weltkrieg, vom 26. August 1942 an, die Japaner unter Kommandant Hisayuki Soeda die Insel besetzten. Die eintausendzweihundert Insulaner wurden als Zwangsarbeiter auf die mikronesische Insel Truk verschleppt. Nur siebenhundertsiebenunddreißig Insulaner überlebten und kehrten nach der australischen
Rückeroberung (13. September 1945) auf Nauru zurück, das von da an als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen über den Trusteeship Council vom Australischen Bund verwaltet wurde.
In 1951 wird den Nauruern ein hohes Maß an innerer Autonomie zugestanden; 1956 wird Hammer DeRoburt Oberhäuptling der Insel Nauru. 1966 wurde ein Referendum abgehalten, in dem sich die Mehrheit der Inselbewohner für ein autonomes Nauru entschied. Der im selben Jahr gegründete Nauru Local Government Council ersetzt den 1927 mit beratenden Funktionen eingesetzten Rat der Stammeshäuptlinge. Im September 1967 erklärte der Australische Bund den Nauru Independent Act, der die Beendigung der Vereinte-Nationen-Treuhandschaft in Kürze ankündigte.
Seit dem 31. Januar 1968 ist die Insel ein unabhängiger Staat - die kleinste Republik der Erde. Der erste Staats- und Regierungschef war über zwanzig Jahre lang, inklusive kurzer Unterbrechung, der autoritäre Oberhäuptling Präsident Hammer DeRoburt. Mangels Personal hatte er auch die Ämter des Minister für Inneres, Äußeres, Inselentwicklung, Industrie, Zivilluftfahrt und öffentliche Dienste inne. Von den Bodenschätzen profitieren konnte die Regierung erst nach zwei Jahren. Seitdem wird Tag für Tag mit mechanischen Greifern das Phosphat vom Kalkboden abgetragen und über Transportbänder auf die vor dem Riff ankernden Schiffe verladen, jährlich circa zwei Millionen Tonnen. Übrig bleibt eine öde, unbewohnbare Mondlandschaft aus Korallenresten und Geröll, deren Besuch unbedingt zu empfehlen ist. Es wurde zwar versucht die Korallenruinen mit importiertem Mutterboden wieder aufzufüllen, zum Teil wuchert auch schon wieder üppiges Grün aus der Korallenlandschaft, aber wegen der doch großen Fläche wurde das Vorhaben wieder aufgegeben.
Im Mai 1989 verklagt die Republik Nauru Australien vor dem Internationalen Gerichtshof IGH in Den Haag und verlangt Wiedergutmachung, weil Australien den Hauptphosphatabbau auf Nauru betrieben habe, ohne dass dies der Bevölkerung zugute gekommen sei. Im Dezember 1989 werden die diplomatischen Beziehungen zwischen der Republik Nauru und dem Australischen Bund nach kurzer Unterbrechung wieder aufgenommen.



Quelle:
© AMDAC+ Gesellschaft für Staatenforschung / Christoph Kölzsch
Nauru / Geschichte / Stand: September 2002
www.amdacplus.org

 

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